Was hat The Atlantic tatsächlich gefunden?
Eine Recherche von Alex Reisner für The Atlantic hat den Deckel von vier Datensätzen gehoben, die still unter KI-Entwicklern die Runde machten und zusammen mehr als 21 Millionen geschützte Tracks fassen. Allein der größte kommt auf rund 12 Millionen Songs, fast 91 Jahre Musik, wenn man sie am Stück hören wollte, und wurde tausendfach heruntergeladen. Vieles davon stammt aus dem Free Music Archive, der altgedienten Plattform, auf der unabhängige und Underground-Künstler ihre Tracks kostenlos hochluden, und sowohl Google als auch Stability AI haben in eigenen Forschungspapieren eingeräumt, dort Musikmodelle trainiert zu haben. Reisner hat zudem ein Suchwerkzeug gebaut, den AI Watchdog, damit jeder Künstler seinen Namen eingibt und sieht, wie viel seines Katalogs im Stapel liegt.
Warum steht der Name des Undergrounds überall darin?
Weil der Underground einen großen Teil bewusst hergegeben hat. Das Free Music Archive war eine Schenkökonomie: Creative-Commons-Lizenzen, kostenlose Downloads, jene Kultur des Teilens und Editierens, von der House und Techno seit zwanzig Jahren leben. Genau diese Großzügigkeit machte den Katalog so leicht abzugreifen. Durchsuch die Datensätze, und der Kanon der Szene liegt direkt da: rund 151 Tracks von Daft Punk, 89 von Charlotte de Witte, 54 von Eric Prydz und 22 von DJ Sabrina the Teenage DJ, der anonymen Produzentin, deren dichter, aus Samples genähter House ohne Major im Rücken zur Kultplatte wurde. Und sie nahm es nicht still hin.
An alle, die fanden, meine Musik klinge nach KI-Schrott: Kam euch in den Sinn, dass es vielleicht daran lag, dass ein Datensatz 22 meiner Songs enthielt?
Da sitzt der Stachel. Die Musik, der man vorwarf, nach Maschine zu klingen, fütterte womöglich die ganze Zeit die Maschinen. Keiner dieser Künstler wurde gefragt, und eine Lizenz zum privaten Hören oder Creative Commons war nie eine Erlaubnis, eine kommerzielle KI zu trainieren.
Können Künstler wirklich etwas tun?
Allein bislang wenig, und das ist die harte Wahrheit unter all dem. „Solange die großen Labels ihre Klagen nicht durchziehen, haben weder Künstler noch Labels eine Möglichkeit zurückzuschlagen“, sagte Vince Valholla vom Label Valholla Records, nachdem er mehr als 100 seiner Veröffentlichungen in den Daten gefunden hatte. Der Hebel liegt bei den Majors: Suno und Udio, die zwei bekanntesten KI-Musikgeneratoren, werden bereits von den Labels wegen ihres Trainingsmaterials verklagt, und Udio hat sich 2025 mit Universal verglichen, um stattdessen eine lizenzierte Plattform zu bauen. Das Werkzeug von The Atlantic verwandelt eine vage Angst immerhin in einen Beweis. Man kann die Songs jetzt benennen, zählen und auf den Datensatz zeigen: genau das, was jedem dieser Fälle bisher fehlte.



