Was hat Hügelton wirklich nachgebaut?
Trix, erhältlich seit dem 22. August 2026, bildet den Roland TR-66 Rhythm Arranger nach, ein Gerät aus dem Jahr 1973, fünf Jahre vor Rolands CompuRhythm CR Reihe und fast ein Jahrzehnt vor der TR-808. Roland selbst nannte ihn nie Drumcomputer, aus gutem Grund: Der TR-66 bietet 18 feste Muster aus Bassdrum, Snare und Hi Hat, die man dann mit neun Stilknöpfen an der Front kombiniert, Walzer, Cha Cha, Bossa Nova, Rumba unter anderem, macht 27 kombinierbare Muster und drei Variationsmodi (A, B, Auto) über 11 analoge Stimmen. Einen Rhythmus von Grund auf programmieren geht nicht, man wählt und kombiniert nur. Depeche Mode und Roxy Music nutzten je einen im Studio, was so ziemlich die gesamte Aufmerksamkeit ist, die der TR-66 in fünfzig Jahren bekommen hat.
Wie emuliert man ein Gerät, zu dem kaum etwas dokumentiert ist?
Indem man es öffnet. Hügeltons Arbeit an Trix begann mit einem Originalgerät von 1973 auf der Werkbank: Die Schaltkreise wurden Stimme für Stimme nachverfolgt, gemessen und analysiert, dann als Echtzeit DSP Modelle rekonstruiert statt gesampelt und geloopt. Trix kommt so auf 12 unabhängig synthetisierte Stimmen, Bassdrum, Rim, Claves, Snare, Hi Hat, Becken, Conga, Bongo, Cowbell und eine tiefe Conga, die das Original nie hatte, dazu Tuning, Decay und Charakterregler pro Stimme, die die Hardware von 1973 schlicht nicht bot. Über die originalen Arranger Muster hinaus packt Trix einen Step Sequencer und einen Pattern Editor drauf, plus Noise, Metal, Master Tone und Overdrive Regler. Der Entwickler sagt, generative KI Werkzeuge hätten einen Teil der Programmierung übernommen, während er Schaltkreisanalyse, Sounddesign und Interface selbst gemacht habe, eine ehrliche Aufteilung für einen Ein Mann Betrieb, der so tief im Archiv gräbt.
Warum zählt so ein kleines Studio?
Weil Trix kein Einzelfall ist. Es folgt auf Kepra, Hügeltons Emulation des Korg KPR-77, eines analogen Rhythmusgeräts von 1983, das im Grunde Korgs Antwort auf die TR-606 war und nur wenige Wochen zuvor erschien. Zwei obskure, vergessene Drumcomputer, geklont vom selben kleinen Studio innerhalb eines Monats, jeweils für drei Dollar, die auf fünf steigen, der Preis eines Kaffees statt eines Plugin Bundles. Die großen Plugin Häuser kreisen weiter um TR-808, TR-909 und CR-78, Geräte, die schon ein Dutzend Mal geklont wurden. Der TR-66 und der KPR-77 blieben vergessen, gerade weil sie nie allein ein Bundle verkauft hätten. Genau dort bewegen sich unabhängige Entwickler wie Hügelton, eine gute Nachricht für alle, die nach Drumcomputer Texturen suchen, die noch nicht bis zum Erbrechen gesampelt wurden.



