Wer ist Marlon Hoffstadt, und warum interessiert sich ein Major für ihn?
Marlon Hoffstadt ist im verschwitzten Teil der Berliner Rave-Szene groß geworden, mit eigenen SoHaSo-Partys und -Platten, bis das Alter Ego Daddy Trance ihn zu etwas Größerem und Hellerem trieb. Innerhalb eines Jahres ging es von den Clubräumen zur Sahara Stage des Coachella und zu einem Back-to-Back mit Armin van Buuren bei Ultra Miami. Jetzt bringt Capitol Records, zusammen mit Goodlife Management und MC3, sein Debütalbum 'Das Ist Daddy' am 7. August heraus. Acht Titel, Gäste wie Rose Gray, Niko Rubio, TAET und Alex Chapman, und ein Titel, der ungefähr 'Das ist Daddy' bedeutet.
Was sampelt er da eigentlich?
Die Single 'Party People' ist auf 'Move Your Body' von Marshall Jefferson gebaut, 1986 in Chicago aufgenommen und ohne Ironie mit 'The House Music Anthem' untertitelt. Es war eine der ersten House-Platten, die das Klavier ins Zentrum stellte, und die Szene behandelt sie seither wie eine heilige Schrift. Sie in eine euphorische, auf Festivals gemünzte Single auf einem US-Major zu stecken, ist eine laute Entscheidung. Man kann es als Respekt an der Quelle lesen oder als Ausbeutung der vier heiligsten Takte des Genres für einen Pop-Hook.
Bei einem Major unterschreiben, gut. Aber er hat mit 'Move Your Body' eröffnet, der Platte, die Chicago wie eine heilige Schrift behandelt.
Wird House zu Pop, oder wird House endlich bezahlt?
Majors haben die Clubmusik schon früher umkreist, und die Kanten kommen meist abgeschliffen zurück. Der Unterschied hier: Hoffstadt bringt die Ikonografie des Underground mit auf die große Bühne, statt sie zu verstecken. Die optimistische Lesart: Ein roher Berliner Name zerrt ein Stück echter House-Geschichte vor ein Publikum in Coachella-Größe, und Marshall Jefferson bekommt einen Scheck. Die zynische Lesart: 'Party People' existiert für seinen Drop, und die Chicago-Herkunft ist Kulisse. Beides kann zugleich stimmen, und genau deshalb hat die Ankündigung die Räume gespalten, kaum dass sie da war.



