Welche Zahl hat Qobuz tatsächlich schwarz auf weiß genannt?

In seinen Zahlen für 2025, vorgelegt im Juni 2026, gibt der französische Hi-Res-Dienst Qobuz an, den Rechteinhabern im Schnitt 18,73 Dollar pro 1.000 Streams zu zahlen, und dass die Zahl von einem unabhängigen Unternehmen geprüft wurde. Das klingt trocken, bis man sich erinnert, dass keine andere Streamingplattform ihre Zahl überhaupt nennt. Qobuz steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 45,7 Prozent, in einem Markt für bezahltes Streaming, der um 8,8 Prozent wuchs, und reichte dabei knapp 70 Prozent der Einnahmen an die Rechteinhaber weiter. Der Dienst meldet 1,2 Millionen monatliche Hörer in 26 Ländern, mit den USA nun als größtem Markt, und einen durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer von 135,90 Dollar gegenüber einem Marktschnitt von 20,74. „Seit der Übernahme 2015 haben wir einen strukturierten, stimmigen Weg gewählt: eine Differenzierungsstrategie, disziplinierte Umsetzung und voll engagierte Teams“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Georges Fornay.

Warum brennt eine einzige Zahl so für House und Techno?

Weil Streaming immer der Teil der Einnahmen eines Underground-Künstlers war, mit dem man nicht rechnet. Ein Track, der auf den großen Plattformen ordentlich läuft, kommt vielleicht als der Preis eines Kaffees zurück, und genau deshalb lebt das echte Geld der Szene seit Langem in den Downloads auf Beatport und Bandcamp und im Vinyl. Wenn sich also eine Plattform hinstellt und laut und mit Beleg sagt, sie zahle ein Vielfaches dessen, was die Majors schätzungsweise zahlen, klingt das zugleich nach Ermutigung und nach Provokation. Der Haken ist die Größe. 1,2 Millionen Hörer sind ein Tropfen neben Spotifys Hunderten Millionen, und ein besserer Satz auf kleiner Basis zahlt trotzdem nicht die Miete eines Produzenten. Die Zahl ist eine gepflanzte Fahne, kein verdienter Lohn.

Zeig mir den Satz, dann können wir darüber streiten. Im Moment zeigt ihn der Großteil der Branche nicht einmal.

Warum also veröffentlichen die großen Plattformen ihren nicht?

Weil eine Vergütung pro Stream kein Festpreis ist. Sie ist Umsatz geteilt durch die Gesamtzahl der Abspielungen, und sie fällt immer weiter, während sich die Kataloge mit KI-Uploads und funktionaler Füllware vollsaugen, die nur Tantiemen abgreifen soll. Eine geprüfte Zahl zu veröffentlichen lädt genau den Vergleich ein, den Qobuz gerade erzwungen hat, und keine Major will an 18,73 Dollar gemessen werden. Qobuz setzt auf das Gegenteil des Mengenspiels: bezahlt, werbefrei, verlustfreies Audio, von Menschen kuratiertes Editorial, Mitarbeiter als Anteilseigner und keine Schulden. Ob das eine Boutique für Audiophile bleibt oder zu einer echten Alternative wächst, ist die offene Frage. Was sich schon geändert hat, sind die Bedingungen der Debatte.