Kann ein Badeanzug in San Antonio wirklich 750 € kosten?

Auf dem Papier ja. Sant Antoni de Portmany hat eine Verordnung zum Zusammenleben, die es verbietet, nur in Badekleidung oder oben ohne durch seine Straßen, Plätze und Geschäfte zu laufen, und die Schilder, die daran erinnern, hängen inzwischen überall: grelle zweisprachige Hinweise, ein rot durchgestrichenes Paar in Strandkleidung, « Multa hasta 750 € » in Orange gedruckt, geklebt an die Schaufenster von Bars und Läden. In der Praxis ist diese Zahl eine Obergrenze, kein Ausgangspunkt. Sie steht ganz oben auf einer gestuften Skala, angewandt im Ermessen der örtlichen Polizei und den schwersten oder wiederholten Fällen vorbehalten. An der Strandpromenade beschreibt das Personal der Lokale die Schilder eher als Vogelscheuche denn als Razzia. « Ich habe noch niemanden gesehen, dem man den Eintritt ohne Shirt verwehrt hätte », erzählt einer der Lokalpresse; die Hinweise dienen vor allem dazu, einen Grund zu haben, einen Gast oben ohne zu bitten, sich etwas überzuziehen. Strände, Uferpromenaden und die direkten Zugänge zum Meer bleiben außen vor.

Warum verhängt die Partyinsel plötzlich eine Kleiderordnung?

Die Bikini-Schilder sind nur ein Teil einer viel breiteren Verschärfung. In ganz Spanien haben die Badeorte die letzten Sommer damit verbracht, Strandkleidung aus ihren Zentren zu verbannen: 120 bis 300 € in Barcelona, bis zu 500 auf Mallorca, 300 bis 750 in Málaga, Marbella und Alicante. Auf den Balearen geht die Verschärfung über die Kleidung hinaus. San Antonio fällt, zusammen mit Magaluf und Playa de Palma, unter ein regionales Dekret gegen den Sauftourismus, das bereits Happy Hours, Open Bars, Zwei-für-eins-Angebote, organisierte Kneipentouren und Partyboote verboten hat. Die offizielle Sprache ist immer dieselbe: das Gleichgewicht und das Zusammenleben zwischen einer Tourismuswirtschaft und denen wiederherzustellen, die das ganze Jahr dort leben. Als La Voz de Ibiza das 750-Euro-Schild in einer Anwohnergruppe postete, füllte sich der Thread mit Unglauben: ob das echt sei, wem so etwas überhaupt gefalle.

Wen trifft die Offensive also wirklich?

Hier ist der Teil, den die Pressemitteilungen auslassen. Ein Bikinioberteil und eine Badehose sind die Uniform eines ganz bestimmten Publikums: des jungen, knapp budgetierten, überwiegend britischen Partytouristen, der das West End und den Sunset Strip von San Antonio berühmt gemacht hat, genau jener, der billige Bars, Tagesclubs und Partyboote füllt statt der margenstarken Säle der Insel. Das Verhalten, das geahndet wird, die Strandkleidung, das Vorglühen, die Kneipentour, ist das Verhalten des Besuchers, der am wenigsten ausgibt. Zugleich ist das Modell, auf das Ibiza offen zusteuert, das Superclub-Ticket über 150 €, der Tisch mit Flaschenservice, der Pool nur für Mitglieder, das Ziel keiner einzigen Anstandsverordnung. Niemand wird dafür belangt, was er im Ushuaïa oder im Hï trägt. Die Kleiderordnung landet auf der Straße, nicht auf der Gästeliste.

Was sollte man also wirklich in Ibizas Clubs tragen?

Hier zeigt sich die Ironie, die die Straßenschilder offenlegen: Jeder ernstzunehmende Saal der Insel hat längst eine Kleiderordnung, und keiner lässt einen in Strandkleidung hinein. Smart Casual ist fast überall die Grundlinie, und dieselbe Badekleidung, dieselben Flip-Flops, nackten Oberkörper und Fußballtrikots, die draußen ein Bußgeld kosten, werden an der Tür abgewiesen. Was sich von Club zu Club ändert, ist das Register.

  • Hï Ibiza und UNVRS sind die beiden Indoor-Superclubs der Ushuaïa-Gruppe. Smart Casual, mit Hang zum Trend: cleane Streetwear, schmale Hosen, auffällige Sneaker. UNVRS, der neueste Hyperclub der Insel, belohnt metallische und reflektierende Festival-Teile unter seiner Lichtanlage. Keine Badekleidung, keine Sportkleidung; an den VIP-Tischen wird es schicker.
  • Pacha ist der stilbewussteste Club der Insel, der Dress-to-impress-Saal: ein Kleid mit Absätzen oder ein Hemd mit sauberen Schuhen, und keine Strandkleidung, keine Flip-Flops, keine Trikots. Motto-Nächte wie Flower Power laden zum vollen 60er-Jahre-Kostüm ein.
  • Ushuaïa und Destino sind Open-Air und tagsüber, also entspannter, aber entspannt heißt nicht Strand. Das Ushuaïa ist eine sonnendurchflutete Party am Pool, wo Elegant-Casual die Grenze ist: keine Badekleidung, keine nackten Oberkörper, keine Flip-Flops, auch nicht am Wasser. Das Destino, Pachas edler Tagesableger, setzt auf weißes Leinen und Resort-Chic.
  • DC10 ist der bewusste Ausreißer. Circolocos Zuhause ist stolz Anti-Glam, ein heißer, schnörkelloser Come-as-you-are-Saal, in dem Understatement die Kultur ist: T-Shirt, Shorts und Sneaker sind die Uniform, und niemand schaut auf dein Label.
  • Amnesia ist leger, come as you are, aber trotzdem keine Bikinis, Flip-Flops oder Jogginganzüge, und der VIP-Bereich ist strenger und weist Sneaker und ärmellose Oberteile ab.
  • Cova Santa und Pikes bilden das Boutique-, das Bohème-Ende. Das Publikum der Cova Santa macht sich schick, stilvoll und Bohème-chic, eine Stufe über leger. Das Pikes belohnt das Exzentrische: Kostüm, Farbe und Persönlichkeit über jedem Label.

Kurzfassung: Auf der Straße von San Antonio kann gezeigte Haut 750 € kosten. In den Clubs kostet dasselbe Outfit einfach den Einlass, und zuerst den Preis des Tickets.

Ein Bikini auf dem Gehweg ist ein 750-Euro-Problem. Ein Eintritt von 150 € ist es nie.