Jeff McClintock hat SynthEdit als Windows-Tool entwickelt, und den Großteil seiner dreißigjährigen Geschichte blieb genau das so. Einen Oszillator mit einem Filter verbinden, eine Hüllkurve verkabeln, das Routing per Drag-and-Drop anpassen und das Ganze dann als echtes Plugin exportieren, ohne eine einzige Zeile C++ zu schreiben: Das leistet SynthEdit seit Ende der Neunziger für Hobbyisten und kleine Plugin-Schmieden, vorausgesetzt man besaß einen PC. Der riesige Teil der Produktionsszene, der Logic Pro, Ableton Live oder Bitwig auf einem Mac nutzt, kam schlicht nicht heran.

Warum hat es dreißig Jahre gedauert?

Eine dramatische Geschichte steckt nicht dahinter, nur eine Plattformlücke, die mehrere Mac-Generationen überdauert hat. Der codefreie Workflow von SynthEdit machte es zu einem stillen Einstiegspunkt für viele kleine Plugin-Firmen, jener Sorte, die mit einer einzelnen Person beginnt, die auf dem Laptop einen ersten Synth skizziert, lange bevor ein DSP-Programmierer eingestellt wird. Jede dieser Firmen brauchte einen eigenen oder geliehenen Windows-Rechner, um überhaupt einzusteigen. Version 1.6, jetzt in der öffentlichen Beta, beseitigt diese Hürde endlich: SynthEdit läuft erstmals nativ unter macOS, sowohl auf Apple Silicon als auch auf Intel, verpackt in einem einzigen signierten .dmg-Installer.

Was steckt konkret in 1.6?

Die Mac-Version ist kein abgespeckter Port. SynthEdit 1.6 exportiert sowohl VST3 als auch Audio Unit, sodass ein auf dem Mac entworfener Synth direkt im AU-Format von Logic oder in jedem VST3-Host landet, ganz ohne Umweg. Das Update bringt außerdem einen neuen Wavetable-Oszillator mit integrierten Testwellenformen, Sägezahn, Sinus, Rechteck, Rauschen und weitere, sowie Anti-Aliasing im oberen Frequenzbereich, damit hohe Obertöne nicht in digitales Rauschen kippen. Plugin-Fenster sind jetzt skalierbar und DPI-sensitiv, sie skalieren sauber mit, wenn sich die Anzeigeeinstellung des Hosts ändert, ein Detail, das zählt, sobald man auf einem 5K-Display auf winzige Regler starrt. Im gleichen Release hat McClintock zudem unauffällig experimentelle Linux-Unterstützung (x64) eingebaut, auch wenn er klarstellt, dass sie noch nicht vollständig ist.

Wer bekommt Zugang, und was kostet es?

Wer bereits eine SynthEdit-Lizenz besitzt, kann die 1.6-Beta ab sofort kostenlos installieren. Wer neu ist, bekommt über die überarbeitete Website von SynthEdit eine 60-tägige kostenlose Testversion, genug Zeit, um einen ersten Synth zu patchen und zu prüfen, ob der visuelle, codefreie Workflow wirklich überzeugt, bevor man eine Lizenz kauft.

Auf den ersten Blick ist es ein kleines Update, eine Versionsnummer und ein neues Betriebssystem. Aber für ein Tool, das seit dreißig Jahren still einen Teil des unabhängigen Plugin-Markts versorgt, ist die Öffnung für jeden Mac-Producer genau die Art von Verschiebung, die sich in den Plugin-Katalogen des nächsten Jahres zeigt, nicht im Newsfeed dieser Woche.