Die meisten Synthesizer beruhen immer noch auf einem einfachen Versprechen: drückt man zweimal dieselbe Taste, bekommt man zweimal denselben Klang. Aphex Twin fand das offenbar langweilig genug, um das zu ändern. Waldorfs neuer Desktop-Synth Iridium MK II kommt mit einer Funktion namens Per-Note-Parameter-Locks, die als direktes Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Produzenten entstand, der den ursprünglichen Iridium Desktop seit Jahren nutzt.
Das Prinzip ist einfach erklärt und im Einsatz sehr tiefgründig: Jede der 128 spielbaren Noten des Synths kann bis zu 16 individuell gesperrte Parametervarianten speichern. Man hält eine Note gedrückt, dreht an einem Regler, und dieser Wert wird genau dieser Taste, in genau diesem Slot, zugeordnet. Spielt man dieselbe Note erneut, kann eine völlig andere Kombination aus Cutoff-Frequenz, Effektweg oder sogar Oszillator-Synthesemodus erklingen, alles an eine einzige Taste der Klaviatur gebunden.
Warum ist eine Parametersperre pro Note wirklich wichtig?
Weil sie eine Konvention angreift, die fast alle Synthesizer teilen: Tonhöhe und Klangfarbe bleiben aneinander gekoppelt. Das Spiel eines echten Musikers variiert eine Darbietung, ohne die Noten zu ändern, durch Anschlagstärke, Phrasierung, minimale zeitliche Verschiebungen. Die meisten Synthesizer können Anschlagsempfindlichkeit simulieren, aber keiner gibt einer einzelnen Taste eine wirklich unterschiedliche Identität von Schlag zu Schlag. Per-Note-Parameter-Locks tun genau das, ganz bewusst. Eine Vier-Takt-Schleife, die dieselbe Note wiederholt, kann durch 16 unterschiedliche Texturen wandern, ohne ein einziges zusätzliches MIDI-Ereignis oder eine Automationsspur, genau die Art kontrollierter Unvorhersehbarkeit, die Aphex Twins eigene Produktion seit drei Jahrzehnten prägt.
Per-Note-Parameter-Locks lassen eine einzelne Taste bei jedem Anschlag anders klingen, ohne die Note selbst zu verändern.
Der Rest des MK-II-Upgrades folgt derselben Idee: statische Wiederholung aufbrechen. Seeds, eine neue, sechste Syntheseengine, erzeugt Wellenformen live statt eine feste Wavetable abzutasten, sodass sich das rohe Klangmaterial selbst verändert, nicht nur die darauf angewandte Verarbeitung. Ein neuer Flavour-Regler fügt kontrollierte Mikrovariation bei Timing, Klangfarbe und Tonhöhe zwischen Noten hinzu und stellt ein, wie weit sich das Instrument von einer perfekt identischen Wiederholung entfernt. Unter der Haube verdoppelt der MK II die multitimbrale Kapazität des Originals auf vier gleichzeitig laufende Syntheseebenen, zusätzlich zu den bestehenden FM-, additiven, granularen und SoundFont-Import-Engines.
Was kostet er, und können bestehende Besitzer aufrüsten?
Die Desktop-Einheit Iridium MK II kostet 2.369 Euro. Waldorf lässt MK-I-Besitzer nicht außen vor: Ein CPU-Board-Upgrade für 598 Euro bringt die neue Engine und die Per-Note-Parameter-Locks auf bestehende Iridium-Hardware, einschließlich Desktop-, Keyboard- und Core-Versionen.



