Was machen die Plattenläden eigentlich?
Von Ende Juni bis September fungieren 11 unabhängige US-Läden, darunter Amoeba Music in Los Angeles, Rough Trade in New York, Reckless Records in Chicago und Home Rule Records in Washington, als Abgabestellen für totes Vinyl. Du bringst Platten vorbei, die verzogen, verkratzt oder schlicht unspielbar sind, egal welcher Künstler, welches Label, welcher Zustand, und der Laden sammelt sie ein. Warner Music Group steckt hinter dem Programm, und eine Verwertungsfirma namens Virterras Materials holt die Platten ab, um zu klären, was sich in den Materialkreislauf zurückholen lässt.
Kann aus einer verkratzten Platte wirklich eine neue werden?
Das ist die Wette. Im Mai fuhr Warner einen Test mit dem tschechischen Press-Giganten GZ Media und den Abbey Road Studios: Sie schredderten rund 10.000 unverkaufte Platten und pressten sie zu frischem Vinyl in Handelsqualität. Die Mischung, die am besten klang, war 25 Prozent recyceltes PVC zu 75 Prozent Neumaterial, und Warner beziffert die CO2-Ersparnis auf etwa 10,6 Prozent gegenüber der Pressung aus Neumaterial. Abbey-Road-Mastering-Ingenieur Miles Showell sagte, die Pressungen hielten über alle Mischungen hinweg, und das ist der Satz, auf dem die ganze Idee ruht: Recycelt und gut klingend müssen sich nicht beißen.
„Unabhängige Plattenläden sind seit Langem Treffpunkte für Musikfans und Hüter der Musikkultur.“ Madeleine Smith, Warner Music Group
Ist das echt, oder wird eine Major fürs Image grün?
Berechtigte Frage. Vinyl knackte 2025 die Milliarde, und dieselben Majors, die all das Plastik verkaufen, bieten jetzt an, die kaputten Stücke zurückzunehmen. PVC ist übel herzustellen und noch übler zu vergraben, deshalb ist ein funktionierender Rücknahmekreislauf wirklich nützlich, und Plattenläden ergeben als Sammelstelle Sinn, weil dort die Digger ohnehin sind. Der Test ist die Größenordnung: 11 Läden und ein Pilot sind eine Geste; ein landesweites System, das leise einen echten Teil der jährlich Millionen gepressten Platten recycelt, wäre eine Politik. Eine britische Version von Key Production Group läuft seit 2025.



