Was hat WHOLE zu Brasilien wirklich bestätigt?
Das Groove Magazin berichtete am 9. Juli, dass das Gründungskollektiv von WHOLE, Raquel Fedato, Giacomo Garavelloni, Giovanni Turco, Chris Phillips und Jacob Meehan, die Ankunft des Festivals in Brasilien bestätigt hat. Sie nennen es „das nächste Kapitel", und es gibt bereits einen eigenen Instagram-Account, @whole.brasil. Was noch fehlt: eine Stadt, ein Ort, ein Datum. Bislang hat nur Groove diese Information; in der englischsprachigen Fachpresse ist noch nichts erschienen.
Warum ein funktionierendes Format woanders testen?
WHOLE hat sich seinen Ruf in Deutschland aufgebaut: ein queeres Techno-Treffen, zu dem heute mehr als 15.000 Menschen an seinem Flaggschiff-Wochenende nach Ferropolis kommen, jenem ehemaligen Braunkohle-Tagebau bei Berlin, der zum Festivalgelände wurde, womit es das größte queere Techno-Festival Europas ist. Doch der Boden unter der Berliner Clubszene bewegt sich. Gentrifizierung und steigende Immobilienkosten haben in der Stadt bereits Schließungen und Umzüge von Underground-Locations erzwungen, und das Kollektiv spricht von einem „politischen Klima", das sich für die Räume verändert hat, auf die queeres Nachtleben angewiesen ist. Eine zweite Ausgabe in einem Land mit einer bereits großen, etablierten queeren Szene und anderer Kostenstruktur aufzubauen, ist nicht nur Ehrgeiz, sondern auch eine Absicherung gegen einen Heimatmarkt, in dem dauerhafte Infrastruktur immer schwerer aufzubauen ist.
Was ändert sich zuerst bei der Ferropolis-Ausgabe?
Noch bevor Brasilien ein Datum hat, testet schon die diesjährige deutsche Ausgabe (17. bis 20. Juli), wie weit sich das Format dehnen lässt. Der TRINA-QBIPOC-Bereich wächst, ebenso das Workshop-Programm, die Campingkapazität, das Essensangebot, die Parkplätze und neue, gemeinsam mit externen Crews gestaltete Cruising-Zonen. Das Live-Programm wächst auf den Bühnen Beach und Ambient, und das Orga-Team selbst ist größer geworden, um das alles zu stemmen. Es liest sich wie eine Generalprobe für das, was auf einem anderen Kontinent von Grund auf neu aufgebaut werden muss.
„Queerness als Haltung": Slogan oder echter Maßstab?
„Queerness ist mehr als Identität. Sie beschreibt auch eine Haltung.", das WHOLE-Kollektiv, laut Groove Magazin
Dieser Satz kommt nicht zufällig genau dann, wenn Brasilien angekündigt wird. Wenn WHOLE sich auf Ästhetik und Line-up reduzieren ließe, wäre der Export einfach. Aber wenn es die konkrete, über acht Ausgaben aufgebaute Infrastruktur ist, der QBIPOC-Raum, die vom Konsens her gedachten Cruising-Zonen, die Sorge für die Community, dann ist das viel schwerer zu übertragen und viel leichter auf einem anderen Kontinent, mit eigener Geschichte und eigener queerer Politik, misszuverstehen.



