Wie klingt Radical Frame eigentlich?
Actress hat noch nie bequeme Platten gemacht, und sein neuestes Werk für Ninja Tune ändert daran nichts. Über acht Tracks lässt Darren Cunningham Techno, Grime, zeitgenössische klassische Musik und Avantgarde-Lärm aufeinanderprallen, wobei House-Pulse und Drum-and-Bass-Splitter kurz aufblitzen und sich dann in Ambient-Nebel auflösen. DJ Mag vergab die Wertung "Masterpiece" und nannte das Album "womöglich den bisher klarsten Ausdruck seiner Ästhetik", mit Verweis auf Splazsh (2010), das Album, das erstmals Vergleiche mit Burials verregnetem London hervorrief, als nächstliegende Referenz in seiner eigenen Diskografie.
CASISDEAD taucht auf "Live By You" auf, Naomi Kimpenu leiht ihre Stimme an anderer Stelle, und das Ganze kommt in einer siebbedruckten PVC-Hülle daher, ein Detail, das zeigt, dass Cunningham das Album noch immer als Objekt behandelt, nicht als Playlist-Füllmaterial.
Warum ist der 16-minütige Schlusstrack die eigentliche Geschichte?
"Sheets", mit Rainy Miller, beschließt das Album nach 16 Minuten und 24 Sekunden und ist der Track, auf den jede frühe Kritik immer wieder zurückkommt. DJ Mag nannte es "eines der erstaunlichsten elektronischen Stücke, die wir seit Jahren gehört haben", eine gewagte Aussage für einen Schlusstrack auf einem Tanzmusik-Label, die das Magazin aber mit seiner Höchstwertung für das gesamte Album untermauerte. Kein Ausklang, sondern ein Track, der allein das Argument für die Platte liefern soll.
Wie fügt sich das in Actress' Werdegang seit Hazyville ein?
Radical Frame ist Cunninghams elftes Album, und Ninja Tune formuliert es unumwunden: Es "erscheint achtzehn Jahre nach dem Debütalbum Hazyville und wirkt wie eine Apotheose". Das ist nicht die Geschichte vom "ersten Album seit zwei Jahrzehnten", die manche Medien gern erzählen werden, denn Cunningham hat in dieser Zeit durchgehend Platten veröffentlicht, darunter AZD 2017 bei Ninja Tune. Was sich hier ändert, ist die Klarheit. Wo frühe Actress-Platten Melodien unter Bandrauschen und bewusster Unschärfe begruben, hört DJ Mag jetzt "eine neue Klarheit", dieselben Ideen, nur schärfer im Fokus statt neu erfunden.



