Tudor hat gerade das Gesicht einer Techno-DJane auf eine seiner Uhren gesetzt, und das ist kein einmaliger Werbegag. Der Schweizer Uhrenhersteller hat Charlotte de Witte zur Markenbotschafterin ernannt und in "Born to Dare" aufgenommen, die Kampagne, die 2017 gestartet wurde, um Tudor mit Menschen zu verbinden, die unkonventionelle Wege in ihrem Feld gehen, dokumentiert zu Land, auf Eis, in der Luft und unter Wasser. Die Uhr dieser Kampagne ist die Black Bay 54 "Lagoon Blue", ein Taucheruhrenmodell mit türkisfarbenem Zifferblatt, den markentypischen Snowflake-Zeigern und einer sandartig texturierten Oberfläche, gedacht für warmes Wasser, nicht für einen Berliner Keller.
Warum will ein Uhrenhaus das Gesicht einer Techno-DJane?
Weil der Lebenslauf von Charlotte de Witte heute auch für das breite Publikum lesbar ist, nicht nur für die Szene. Sie belegt seit sieben Jahren in Folge Platz eins als Number 1 Techno DJ im Weltranking von DJ Mag, sie ist die erste weibliche Techno-Artist, die die Hauptbühne von Tomorrowland abgeschlossen hat, die erste weibliche Headlinerin in der 23-jährigen Geschichte des Movement Festival Detroit, und die erste Techno-DJ auf der Hauptbühne des Ultra Music Festival in Miami. Sie betreibt zwei Labels, KNTXT und Epoque, und hat an der Großen Pyramide von Gizeh und an der Sphere in Las Vegas gespielt. Zur Ankündigung der Kooperation fand sie ihre eigenen Worte: "Mein ganzes Leben ist um Zeit aufgebaut. Ein Set zählt man in Beats pro Minute, eine Tour zählt man in Flügen und Zeitzonen. Ich bin mehr als geehrt, die neue Markenbotschafterin von Tudor zu sein. Gute Zeiten kommen."
Was sagt das Kapitel "Raving George" darüber, wer heute das Gesicht sein darf?
Der eigentliche Wendepunkt steckt im Pseudonym. Charlotte de Witte begann ihre Karriere als "Raving George", ein erfundener Männername, genau um den Genderbias zu umgehen, der bestimmte, wen Veranstalter im Techno buchten. Irgendwann legte sie das Pseudonym ab und baute ihre Karriere unter ihrem eigenen Namen auf. Dass sie heute buchstäblich das Gesicht einer globalen Kampagne eines jahrhundertealten Uhrenhauses ist, und kein Pseudonym an ihrer Stelle, ist der eigentliche Wandel: Die Glaubwürdigkeit von Techno ist zu einem Wert geworden, den Luxuskapital aktiv kaufen will, und ausgerechnet diejenige, die den Scheck kassiert, musste sich einst verstecken, um überhaupt in den Raum zu kommen. Der Deal fällt zudem in eine Zeit, in der sie gleichzeitig globale Markenbotschafterin von G-Star RAW ist, ein Zeichen, dass Mode und Luxus sie als Gesamtpaket sehen, nicht als Einzelaktion.
"Mein ganzes Leben ist um Zeit aufgebaut. Ein Set zählt man in Beats pro Minute, eine Tour zählt man in Flügen und Zeitzonen."



