Elaine hat sich ihren Namen mit intimem R&B aufgebaut. "Elements", die EP von 2019, die sie zur ersten unabhängigen weiblichen Künstlerin machte, die zugleich die iTunes- und Apple-Music-Album-Charts in Südafrika anführte, war bekenntnishafter Trap-Soul, keine Clubmusik. Sechs Jahre später hat sie eine Dance-Single draußen, und die Geschichte dahinter ist kein übers Knie gebrochener Genrewechsel für mehr Streams. Es sind zwei Jahre Feldforschung.
"Bevor ich überhaupt ins Studio ging, habe ich, glaube ich, zwei Jahre lang für dieses Projekt recherchiert", erzählte Elaine Texx and the City. "Es steckt viel Recherche darin. Viel Respekt, den ich denen erweisen wollte, die es vor mir gemacht haben."
Wie sah diese Recherche konkret aus?
Keine Studiosessions mit Laptop und Referenztracks. Elaine beschreibt wiederholte Ausflüge in die Underground- und Township-Clubszene Johannesburgs, in die Räume, wo südafrikanischer House und Amapiano tatsächlich auf der Tanzfläche getestet werden, bevor sie in einer Playlist landen. "Dance-Musik in Südafrika ist im Lebensstil verwurzelt", sagte sie. "Ich bin überallhin gegangen. Ich habe Gigs angenommen, die ich normalerweise nicht angenommen hätte."
Diese Immersion brachte "One More Dance" hervor, veröffentlicht am 6. August mit Major League DJz und mit Mpho.wav und Atmos Blaq als Feature. Es ist ein Wiedersehen: Elaine und Major League DJz hatten bereits 2023 mit "All Night Long", featuring Yumbs, zusammengearbeitet. Diesmal neigt die Produktion stärker zum Afro-Tech-House, zu jenem hypnotischen, Synth-getriebenen Groove, der Johannesburgs Clubnächte dominiert, statt zum radiotauglichen Amapiano.
Warum ausgerechnet Lebo Mathosa?
Elaine nennt die verstorbene Lebo Mathosa, Frontfrau von Boom Shaka und Kwaito-Ikone, die 2006 starb, als direkten Bezugspunkt dieser Ära. "Lebo Mathosa ist meine Muse für diese Ära gewesen", sagt sie und verknüpft ihren neuen Sound mit einer Linie südafrikanischer Performerinnen, die stimmliche Kraft und körperliche Präsenz auf der Tanzfläche verbanden, lange bevor es Amapiano gab. Sie beschreibt die Ästhetik in explizit lokalen Begriffen: "Für mich ist das mühelos südafrikanischer Swag. Sich die Haare abrasieren, blond färben. Das ist klassisches SA. Es ist zu hundert Prozent hausgemacht, aber mit jeder Menge Attitude."
"Diese Verletzlichkeit verlässt mich nie. Das ist wirklich meine Superkraft. Ich bin immer verletzlich."
Was sie bewusst beibehalten hat, ist das emotionale Register, das ihr R&B-Publikum aufgebaut hat. Sie behandelt Dance-Musik nicht als bloßes Genre-Kostüm: Sie überträgt denselben Songwriting-Instinkt in ein schnelleres Tempo und ein clubtaugliches Arrangement, in der Wette, dass vokale Ehrlichkeit über einem Groove genauso funktioniert wie über einer Ballade.
Nimmt die Underground-Szene den Wechsel ernst?
Bislang, ihren eigenen Worten zufolge, ja. "Die Dance-Community war so einladend", sagt sie. "Ich bin dieser Community auch dankbar dafür, dass sie mich so willkommen geheißen und unterstützt hat." Diese Reaktion zählt mehr, als ein Pressezitat vermuten lässt: Die südafrikanische House- und Amapiano-Szene gilt als notorisch unnachsichtig gegenüber Außenseitern, die auftauchen, ohne sich ihre Sporen verdient zu haben, und zwei Jahre unaufgeregter Recherche und unauffällige Gigs sind eine konkrete, überprüfbare Form davon, nicht eine Marketingzeile.



