Was entsteht durch diese Fusion konkret?

Seit vierzig Jahren stützt sich die Machtstruktur der Musikbranche auf ein Big Three: Universal Music Group, Sony Music und Warner Music Group. Die geplante Fusion zwischen BMG und Concord Music Group würde diese Zahl auf vier erhöhen. Das fusionierte Unternehmen würde unter dem Dach von Bertelsmann operieren, das BMG bereits kontrolliert, und von Bob Valentine als CEO geführt werden.

Concord bringt ein tiefes Katalog-Portfolio mit, das Rounder Records, Fantasy Records und wesentliche Rechte an Creedence Clearwater Revival umfasst, sowie einen soliden Verlagsarm mit Imagine Music Publishing. BMG steht für eine der weltweit größten unabhängigen Musik-Verlags- und Tonträger-Operationen, aufgebaut über ein Jahrzehnt strategischer Akquisitionen.

Das kombinierte Unternehmen wäre das erste neue Major-Label, das seit Jahrzehnten entsteht.

Warum sind die Freigaben aus den USA und Deutschland die entscheidenden?

BMG hat seinen Sitz in Berlin und wird mehrheitlich von Bertelsmann, einem deutschen Medienkonzern, gehalten. Concord ist in Nashville und Los Angeles ansässig. Das Bundeskartellamt und das US-Justizministerium sind die natürlichen erstinstanzlichen Regulatoren für ein Geschäft dieser Art. Beide haben nun zugestimmt, was die entscheidende Hürde für die beiden wichtigsten Märkte des Deals nimmt.

Eine EU-weite Prüfung könnte je nach den kombinierten Umsatzschwellen noch erforderlich sein, und weitere Jurisdiktionen könnten sich einschalten. Die beiden vorliegenden Genehmigungen decken jedoch die primären Standorte des Deals ab.

Was ändert sich für Künstler und den Independentsektor?

Die ehrliche Antwort: kurzfristig wenig, langfristig möglicherweise viel. Ein viertes Major bedeutet einen weiteren Gesprächspartner für die Streaming-Plattformen, was strukturell positiv für jede Plattenfirma ist, die auf dieser Ebene operiert. Aber die Konsolidierung an der Spitze reduziert auch den Wettbewerb um Katalogakquisitionen und Signing-Budgets, was historisch gesehen die Preise für Verkäufer drückt und die Zahl der unabhängigen Labels mit echten Exit-Optionen verringert.

Für die House- und Elektronik-Welt ist der praktische Einfluss mittelbar. Weder BMG noch Concord hat eine beherrschende Stellung im Elektronikbereich. Aber jede Veränderung im Major-Oligopol verändert den Kontext, in dem unabhängige Elektronik-Labels verhandeln, lizenzieren und letztendlich verkaufen.