Amapiano lief schon immer genauso über Handschlag und Studio-Loyalität wie über Verträge. „Momo's Private School“ ist die Platte, die diese Kultur berühmt gemacht hat, und ausgerechnet sie testet jetzt, was passiert, wenn das Papier nicht mehr zur Loyalität passt.
Kelvin Momo, bürgerlich Thato Ledwaba, hat Kabza de Small (Kabelo Motha) und dessen Firma Piano Hub vor dem High Court in Johannesburg verklagt und fordert eine Million Rand Schadenersatz. Seine Darstellung: Der Aufnahmevertrag vom April 2020, aus dem das Album hervorging, habe Tantiemen, Künstlerförderung und Promotion zugesagt, die er nie vollständig erhalten habe. Laut Gerichtsunterlagen, die in südafrikanischen Medien zitiert werden, belaufen sich seine für das Projekt verbuchten Tantiemen insgesamt auf 197.269 Rand, ausgezahlt wurden ihm davon nur 86.575 Rand.
Warum lohnt sich der Streit um diese Platte?
„Momo's Private School“ erschien im Juli 2020 auf Piano Hub und ist eine der Platten, die die jazzigere, introspektivere Spielart des Amapiano definiert hat, die „Private School“-Richtung, deren Namensgebung Ledwaba selbst zugeschrieben wird. Mit dabei waren Motha, Babalwa Mavuso (unter dem Namen Babalwa M), Mhaw Keys und Blissful Sax. Das Album wurde zum Referenzpunkt in einer Zeit, in der Amapiano noch vor allem ein Gauteng-Phänomen war und kein globaler Exportschlager. Sechs Jahre später ist Amapiano eine Chartmacht von Lagos bis London, was einem Streit darüber, wer für eine seiner Gründungsplatten bezahlt wurde, zusätzliches Gewicht gibt.
Warum ist eine zweite Künstlerin Teil des Verfahrens?
Mavuso ist dem Verfahren als Mitklägerin beigetreten, ihre Tantiemen aus dem Projekt werden mit 56.913 Rand beziffert. Mothas Verteidigung greift dabei nicht die Höhe der Forderung an, sondern deren Zulässigkeit überhaupt: In den Schriftsätzen heißt es, „Babalwa Mavuso kann keinen gültigen und durchsetzbaren Anspruch gegen Piano Hub aus der angeblichen Vertragsverletzung geltend machen“, da sie nicht direkte Vertragspartei gewesen sei. Das ist ein anderer Streit als der von Ledwaba: Bei ihm geht es darum, wie viel einer Vertragskünstlerin zustand, bei ihr darum, wer überhaupt klagebefugt ist.
„Babalwa Mavuso kann keinen gültigen und durchsetzbaren Anspruch gegen Piano Hub aus der angeblichen Vertragsverletzung geltend machen.“
Wie ist der Stand des Verfahrens heute?
Fast zwei Jahre später gibt es noch kein Urteil. Ledwaba hat sich formell gegen eine Mediation ausgesprochen, ein Zeichen, dass er den Fall öffentlich verhandelt sehen will statt still beigelegt, wodurch Zahlen und Vertragsbedingungen öffentlich aktenkundig bleiben. Motha und Piano Hub wiederum bestreiten sowohl den Umfang der geschuldeten Zahlungen als auch, im Fall Mavuso, ob deren Forderung überhaupt verhandelt werden kann.
Warum das wichtig ist
Das ist Amapianos Version eines Streits, den die internationale Dance-Presse für House und Techno längst ständig begleitet: ein Künstler, der behauptet, ein Label habe Tantiemen aus einer Platte, die dessen Ruf begründet hat, unterschlagen oder unterbezahlt. Der Unterschied: Die Amapiano-Version hat kaum je die südafrikanischen Grenzen überschritten, obwohl Motha und Ledwaba zu den international meistgestreamten Namen des Genres zählen. Ein Urteil, wie auch immer es ausfällt, würde zum Referenzpunkt dafür, wie Amapianos noch informelle Vertragskultur sich vor Gericht bewährt.
Was wir denken
Die Geschäftsseite des Amapiano musste schnell erwachsen werden, rund um einen Sound, der schneller explodierte, als seine Infrastruktur mithalten konnte. Verträge, die 2020 auf Basis von Freundschaft und geteiltem Studio geschlossen wurden, bevor irgendjemand wusste, wie groß das Genre werden würde, sind genau die Art Papier, die zum Gerichtsfall wird, sobald Streams und Geld auftauchen. Niemand außerhalb Südafrikas sollte erst überzeugt werden müssen, dass das relevant ist: Es ist derselbe Kampf um Tantiemen-Transparenz, den House und Techno seit einem Jahrzehnt führen, hier angewandt auf eine der wichtigsten Platten des Amapiano.



