Was steckt eigentlich auf der Monster-EP?
„Flute Jam“ eröffnet die Platte mit Breakbeats, muskulösem Bass und weit ausladenden Synths über zurückhaltenden Akkorden und schwebenden Vocals, ein Track, der eher wie ein progressiver, kosmischer Spannungsbogen wirkt als wie eine reine Peak-Time-Waffe. „Baby Monster“, der Titeltrack, bringt die Stimme von Baby Monsta ein und geht am weitesten in Richtung Electro-Techno, genau das Hybrid, das Maceo Plex seit drei Jahrzehnten verfeinert. „Cold Flow“ beschließt die EP mit spitzen Breakbeats und entmenschlichten, trap-angehauchten Vocals über präzise gebautem Groove, ein kälterer, zerklüfteterer Abschluss für eine ansonsten warm klingende Platte.
Zwischen der Präzision des Techno und dem Groove des House, mit starker Electro-Ader.
So haben EDM Sauce und The Playground die EP am Erscheinungstag unabhängig voneinander zusammengefasst, und das passt: Keiner der drei Tracks lässt sich sauber in eine Schublade stecken, seit jeher das Markenzeichen von Maceo Plex.
Warum hat es so lange gedauert, bis Maceo Plex bei Rekids gelandet ist?
Eric Estornel, der Mann hinter Maceo Plex (und davor Maetrik), produziert seit den Neunzigern und hatte nie einen Mangel an Kanälen für seine eigene Musik: Er hat Ellum Audio gegründet und leitet das Label bis heute, zuletzt kam Lone Romantic dazu. Ein Künstler mit einer solchen eigenen Infrastruktur braucht theoretisch niemandes Label, um eine Platte rauszubringen. Genau das macht dieses erste Release bei Rekids bemerkenswert statt Routine.
Auch Rekids ist keine beliebige Station. Das Label wurde 2006 von Matt Edwards, besser bekannt als Radio Slave, zusammen mit James Masters gegründet und hat sich in fast zwanzig Jahren den Ruf eines anspruchsvollen Zuhauses für echten Techno und kompromisslose Clubmusik erarbeitet, zwischen Berlin und Großbritannien. Einen Platz auf einem solchen Roster zu bekommen, so spät in einer bereits etablierten Karriere, liest sich wie ein Produzent, der immer noch das richtige Gütesiegel jagt, nicht nur eine weitere Katalognummer.
Warum zählt das Labeldebüt eines Veteranen für die Szene?
Ein eigenes Label löst das Vertriebsproblem, nicht die Glaubwürdigkeit. Rekids hat sich seinen Ruf in fast zwanzig Jahren durch echte Selektivität erarbeitet, genau deshalb wollte ein Veteran mit drei Jahrzehnten und zwei eigenen Labels trotzdem eine Rekids-Katalognummer neben seinem Namen. Es erinnert daran, dass in House und Techno die Kuratierung durch ein vertrauenswürdiges externes Ohr immer noch zählt, selbst wenn ein Künstler längst die ganze Struktur aufgebaut hat, um sie nie wieder zu brauchen.
Der Katalog von Maceo Plex wächst weiter, egal welches Label ihn trägt, aber diese Platte hat einen anderen Beigeschmack: Es ist nach einer sehr langen Karriere das erste Mal, dass jemand anderes entschieden hat, ob der Track gut genug war, um zu erscheinen.



