SchwuZ öffnete am 26. Juni 1977 in Kreuzberg unter dem Namen Schwulenzentrum seine Türen. Es war kein Club im üblichen Sinne. Es war das organisatorische Rückgrat der queeren Westberliner Community zu einem Zeitpunkt, als diese Community kaum rechtliche oder gesellschaftliche Strukturen besaß, auf die sie sich hätte stützen können. Das Magazin Siegessäule wurde dort gegründet. Die Buchhandlung Prinz Eisenherz auch, heute die älteste Schwuchhandlung im deutschsprachigen Raum. Berlins erster Christopher Street Day, 1979, wurde aus diesen Räumen heraus organisiert. Beratungsangebote liefen parallel zum Dancefloor. 48 Jahre lang überstand das SchwuZ nahezu alles, was die Stadt ihm entgegenwarf.

Was hat die Finanzen tatsächlich gesprengt?

Die kurze Antwort: Die Kosten stiegen, die Besucherzahlen sanken, und das Preismodell war nie darauf ausgelegt, beides gleichzeitig auszuhalten.

Die Energierechnungen verdreifachten sich nach der Pandemie. Die Miete in der Rollbergstraße stieg mit der Gentrifizierung Neuköllns weiter. Die Besucherzahlen erholten sich nie auf das Niveau von vor 2020, teils weil Dating-Apps verändert haben, wie queere Menschen Gemeinschaft und Nähe suchen, teils weil das verfügbare Einkommen des Stammpublikums selbst unter Druck geraten war. SchwuZ hatte seit jeher eine bewusst niedrige Preispolitik verfolgt, eine politische Entscheidung, um den Raum für Menschen offen zu halten, die sich das Berghain oder die größeren kommerziellen Clubs nicht leisten konnten. Diese Entscheidung, im Grundsatz richtig, ließ kaum Spielraum, als sich die Kostenbasis verdoppelte.

Bis 2025 lag das monatliche Betriebsdefizit irgendwo zwischen 30.000 und 60.000 Euro. Eine Crowdfunding-Kampagne sollte die Lücke schließen. Sie brachte 3.000 Euro von 150.000 ein.

Rund 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa ein Drittel der Belegschaft, wurden im Mai 2025 entlassen. Die Insolvenz wurde am 1. August 2025 auf Instagram bekanntgegeben, der formelle Antrag folgte am 2. August, und am 1. November 2025 schlossen die Türen in der Rollbergstraße für immer.

Ist das ein Berliner Problem?

Nein. Aber Berlin ist derzeit der Ort, wo es am deutlichsten sichtbar wird.

Das deutsche Wort für das, was hier passiert, lautet Clubsterben, der Begriff für das Massensterben der Clubs. Fast die Hälfte der Berliner Clubs hat in den vergangenen zwei Jahren Schließungen erwogen oder angekündigt. Watergate schloss Anfang 2025. Das Wilde Renate steht auf wackligen Beinen. Der geplante Ausbau der A100 bedroht das ://about blank, das Else und das OST. Der Druck trifft nicht nur LGBTQ+-Räume, aber das SchwuZ stand für etwas, das die anderen Schließungen nicht verkörpern: eine Institution, die älter ist als die Wiedervereinigung der Stadt und die Infrastruktur aufgebaut hat, auf der Berlins queere Szene noch heute läuft.

Die Gentrifizierung hat das Publikum verdrängt, das diese Orte getragen hat. Die Menschen, die die Szene aufgebaut haben, können sich nicht mehr leisten, dort zu wohnen, wo die Szene ist. Das ist kein Berliner Problem. Es ist ein Problem in London, in Amsterdam, in jeder Stadt, in der das Immobilienkapital entschieden hat, dass Nachtlebenflächen anderweitig besser genutzt werden.

Was kommt nach der Rollbergstraße?

Der Förderverein hat sich nach der Schließung neu aufgestellt und führt SchwuZ seit Mai 2026 als mobiles Veranstaltungsformat durch Berlin, von Spielort zu Spielort. Dieselbe DNA, ein anderer Behälter. Ob das echter Weiterleben ist oder ein langsames Verlöschen, ist eine echte Frage.

Das Gebäude in der Rollbergstraße selbst muss nicht dunkel bleiben. Watergate, das seine eigenen Türen an der Spree ebenfalls 2025 geschlossen hat, soll laut Berichten eine Übernahme der Räume erwägen. Das wäre eine eigenartige Art von Kontinuität: ein geschlossener Berliner Club zieht in die Hülle eines anderen ein.

Die Community, die das SchwuZ aufgebaut hat, gibt es noch. Ob es in dieser Stadt noch einen Platz für sie gibt, ist eine andere Frage.