Jeder aktive DJ kennt das Ärgernis: ein Track mit echtem Schlagzeuger, ein Bootleg-Edit aus zwei verschiedenen Mastern zusammengeklebt, ein Disco-Klassiker, der in vier Minuten von 121 auf 124 BPM driftet. Die alte Analyse-Engine von Serato DJ hat darauf ein einziges, starres Tempo gelegt und dem DJ überlassen, vor jedem Gig von Hand zusätzliche Grid-Marker zu setzen, Track für Track.
Was ändert sich wirklich, wenn ein Track mitten im Mix das Tempo wechselt?
Das Versprechen von Serato mit Lucid Beatgrids, dem Kernstück der am 11. September gestarteten DJ-5.0-Beta, lautet: kein Mitteln mehr. Serato beschreibt es laut eigenen, von DJ Mag und We Rave You zitierten Release Notes als "eine komplett neu gebaute Analyse-Engine, mit deutlich verbesserter Downbeat-Erkennung, insgesamt höherer Genauigkeit und erstmals automatischer Tempoverfolgung", die "Tempowechsel in dem Moment wahrnimmt, in dem sie passieren", statt ihnen hinterherzulaufen.
In der Praxis heißt das: Ein Track, der von einer Liveband eingespielt wurde, ein Disco-Klassiker oder ein aus zwei Quellen zusammengesetztes Edit sollen sich künftig über ihre gesamte Länge korrekt einrasten, ohne manuelle Marker bei jedem Tempowechsel. Genau das ist der nervigste Teil bei der Vorbereitung eines Sets mit altem oder nicht quantisiertem Material, und genau da hat die alte Engine von Serato, wie die der meisten Konkurrenten, versagt.
Was steckt sonst noch in der 5.0-Beta?
Zwei weitere Neuerungen runden das Update ab. Open Streaming erlaubt es, innerhalb einer Session mit mehreren verbundenen Streaming-Diensten gleichzeitig zu arbeiten, statt sich für einen zu entscheiden und mit dessen Katalog-Lücken zu leben, praktisch an jedem Abend, an dem der Floor einen Track verlangt, den TIDAL hat und Beatport nicht, oder umgekehrt.
Cue Loops, das nur Serato DJ Pro vorbehalten ist, verschmilzt einen Hot Cue mit einem Loop-Trigger auf einem einzigen Pad: einmal drücken zum Einsteigen in die Loop, ein zweites Mal zum Aussteigen, statt zwei Pads für dieselbe Aufgabe zu belegen. Rekkerd bestätigt, dass die Beta sowohl Serato DJ Pro als auch die kostenlose Lite-Version abdeckt, Cue Loops aber Pro-exklusiv bleibt.
"Eine Engine, die sich mit der Musik bewegt, nicht gegen sie."
Bedroht die automatische Grid-Korrektur wirklich ein echtes Können?
Ein störrisches Grid von Hand zu korrigieren war nie eine Glanzleistung, sondern lästige Pflicht, die niemand um sechs Uhr abends vor dem Einlass vermissen wird. Der eigentliche Test ist, ob Lucid Beatgrids beim schwierigsten Material standhält: Mashups, Vinyl-Rips mit Gleichlaufschwankungen, Tracks mit absichtlich eingebauter Tempo-Rampe. Genau deshalb kommt das Ganze als öffentliche Beta und nicht als fertiges Release: Serato bittet aktive DJs, die automatische Verfolgung an der eigenen Bibliothek auf die Probe zu stellen, bevor sie zum Standard wird.



