Was bedeutet «lokal» hier eigentlich konkret?
Ira Rainey hat Silverdaw nicht gebaut, um mit Ableton oder Logic zu konkurrieren. Das Ziel ist enger gefasst: Remixe, Mashups, sample-basierte Sets, jener Moment, in dem man einen Song, eine Loop und ein Acapella auf die Timeline zieht und neu formt. Was einen zweiten Blick wert ist, ist die Stem-Trennung, die in diesem Workflow steckt. Man wählt einen Track, entscheidet sich für Fast, Balanced oder Best, und Silverdaw zerlegt ihn in Vocals, Drums, Bass und den Rest mithilfe offener RoFormer-Modelle, die einmalig von Hugging Face geladen werden, rund ein Gigabyte, und dann komplett auf der eigenen CPU oder GPU laufen. Nichts wird hochgeladen. Ein Konto muss man dafür nicht anlegen.
«Silverdaw läuft auch ohne Konten und sendet Ihre Daten an keiner Stelle irgendwohin.»
Warum wiegt das gerade jetzt anders?
Elf Tage nach dem Release von Silverdaw entschied das Landgericht München, dass Suno seine KI-Modelle illegal mit Songs trainiert hatte, die von der GEMA vertreten werden. Titel wie Rasputin von Boney M. und Mambo No. 5 von Lou Bega waren laut den Richtern «reproduzierbar enthalten» im Modell, ein Beleg für Memorierung statt bloßer Analyse. GEMA-Vorstandsvorsitzender Tobias Holzmüller sagte es unverblümt: «KI-Modelle, die auf dem Diebstahl geistigen Eigentums beruhen, sind nicht rechtlich geschützt. KI-Anbieter müssen Lizenzen erwerben.» Produzentinnen und Produzenten stellen sich seit einer Weile eine ähnliche Frage zu ihrem eigenen Material: Wenn man einen Stem in ein Cloud-Trennungs- oder Mastering-Tool lädt, was passiert danach damit, und landet er irgendwann als Trainingsdaten in fremden Modellen? Silverdaw klärt diese Debatte nicht. Es umgeht sie einfach. Wenn die Trennung den eigenen Laptop nie verlässt, stellt sich die Frage, wo das eigene Audio landet, gar nicht erst.
Was gibt es sonst noch kostenlos dazu?
Der Rest des Funktionsumfangs ist solide Arbeits-DAW-Kost: automatische Erkennung von Tempo, Tonart und Beat beim Import, Loop-Zerlegung nach Raster oder manuellen Markern, nicht-destruktive Trimms sowie Tonhöhen- und Tempoänderungen mit vollständigem Rückgängig, Klang- und Filterregler pro Spur, Sends, Automation und Master-Metering, dazu MIDI-DJ-Controller-Mapping für einen Vinyl-artigen Scratch-Workflow. Der Import deckt WAV, AIFF, FLAC, MP3, AAC/M4A und MP4 ab, der Export WAV, FLAC, AIFF und MP3. Lizenziert ist es unter AGPL-3.0, Code und jede abgeleitete Version bleiben also offen. Es erschien am 20. Juli als Version 1.2.0 und ist innerhalb von zwei Wochen bereits bei 1.4.2 angekommen, Rainey iteriert öffentlich auf GitHub. Vorerst gibt es nur Windows (10 ab Build 1809 oder 11, 64-Bit), ohne VST-Unterstützung und ohne Mac-Version, beides steht auf der Roadmap.



