Waldorf hat sich mit dem Streichfett einen Namen gemacht, dem günstigen Streichersynthesizer, der zur Standardbox für jeden wurde, der diesen etwas plastikhaften 70er-Ensemble-Sound wollte, ohne einen Vintage-Solina aufzutreiben. Der Crema ist das erste Mal, dass genau dieser Sound in etwas Größeres eingebettet wird: ein Hybridsynthesizer, der ihn mit Wavetables, FM und einer vollwertigen virtuell-analogen Engine kombiniert, in einem Gehäuse, das klein genug ist, um auf einem Tour-Rig mitzufahren statt nur im Studioregal zu stehen.

Was steckt wirklich drin?

Der Crema betreibt zwei Engines gleichzeitig. Die Texture-Engine vereint 24 Klangarten: die 6 klassischen Streichfett-Streicher, 17 Wavetables und 6 FM-Algorithmen, alle kombinierbar mit der Lines-Engine, einem virtuell-analogen 8-stimmigen Synthesizer. Das ist der Kern des Angebots: ein einziges Gerät deckt ab, wofür man sonst einen Streichersynthesizer, einen Wavetable-Synth und einen analogen Polysynth gestapelt hätte. Waldorf liefert mehr als 130 Werkspresets und lässt 230 Speicherplätze frei, bei minimalen Maßen von 252 x 170 x 48 mm und unter einem Kilo, mit USB-C, MIDI I/O und Stereo-Ausgängen für die praktische Seite.

Warum wirkt der US-Preis schlechter?

Thomann listet es in Europa für 339 Euro (Waldorfs eigene Website nennt 345,45 Euro inklusive deutscher Mehrwertsteuer), und Sweetwater verkauft denselben Synthesizer in den USA für 499 Dollar. Legt man einfach den Wechselkurs zugrunde, ist die Differenz größer als sie sein sollte, genau die Art von Detail, die Geräte-Käufer sofort bemerken und am Tag der Veröffentlichung in Foren kommentieren. Einfuhrzölle, Vertriebsmargen und US-Einzelhandelsaufschläge summieren sich, aber am Ende kostet die gleiche Maschine jenseits des Atlantiks deutlich mehr.

Warme Streicher, glitzernde FM, sich entwickelnde Wavetables und schwebende virtuelle Analogklänge.

So beschreibt Gearnews den Klangcharakter, und das passt genau zu dem, was Waldorf hier anbietet: keine Retro-Neuauflage, sondern eine 70er-Streichersynthesizer-Idee im Gewand digitaler 90er-Synthese.

Für wen ist das eigentlich gedacht?

Größe und Preis zielen weniger auf reine Studionutzer als auf Homestudio-Produzenten und Tour-Keyboarder, die eine einzige kleine Box wollen, die Pads, FM-Texturen und analoge Sounds liefert, ohne drei Synthesizer mitschleppen zu müssen. Waldorf hat kompakte Hybridgeräte schon zuvor erforscht, aber der Crema ist das erste Mal, dass speziell der Streichfett-Sound darin aufgeht, statt als eigenständiges Produkt zu bleiben.