Warum hat Chase Bliss den CHOMPI eingestellt?

Chase Bliss Audio hat den CHOMPI-Sampler im Juli vom Markt genommen, und hat sich dabei nicht hinter einer vagen Ausrede versteckt. Dem Prozessor ist schlicht die Luft ausgegangen. Chase Bliss Audio hatte fast drei Jahre in den ursprünglichen TAPE-Modus gesteckt, dann 2025 das Chompi-Club-Projekt übernommen, und danach an einem größeren TEMPO-Firmware-Update gearbeitet, genau dort zeigte sich die Grenze.

"Wir sind bei der Entwicklung der neuen TEMPO-Firmware an die Grenzen dessen gestoßen, was dieser Prozessor leisten konnte."

Gründer Joel Korte sagte es an anderer Stelle noch direkter: "Das hat sich als eine ziemlich schlechte Idee herausgestellt." Die Firma bestätigte, dass weder ein CHOMPI V2 geplant ist noch eine neue Serie mit modifizierter Hardware, eine Idee, die sie zuvor angedeutet und dann verworfen hatte. Weniger als 250 Einheiten waren noch auf Lager, als die Einstellung bekannt wurde. Das war kein Produkt, das niemand wollte: Es war ein Produkt, das der vorhandene Chip einfach nicht weiter tragen konnte.

Was genau hat Chase Bliss verschenkt?

Statt die Tür zuzuschlagen, hat Chase Bliss den Schlüssel übergeben. Im September ging chompiclub.com/opensource online, mit dem kompletten CHOMPI-Projekt: jede Firmware-Version, die die Maschine je hatte, TAPE und TEMPO eingeschlossen, dazu ein nie offiziell veröffentlichter Wavetable-Synthesizer namens WAVE, als Beta-Ausgangspunkt für alle, die darauf aufbauen wollen. Hardware-Schaltpläne, PCB-Dateien und Gehäusedesigns kamen zusammen mit dem Code dazu. Nur die Markengrafik blieb außen vor, aus urheberrechtlichen Gründen.

Das Kleingedruckte zählt. Käufer des originalen CHOMPI behalten vollen offiziellen Support und Reparaturen. Wer sich ein eigenes Gerät baut oder die Firmware zu etwas Neuem forkt, bekommt davon nichts, ganz bewusst. "Wir werden dieses CHOMPI-Design nicht mehr bauen", schrieb Chase Bliss und fügte hinzu, dass "der Geist und das Ethos von CHOMPI weiterhin unsere künftigen Projekte beeinflussen werden".

Wie schnell hat die DIY-Szene reagiert?

Wochen, keine Monate. Entwickler Temecula DSP griff sich die offene Firmware und baute NIBBI, ein Plugin, das den Tape-Loop-Sampling-Workflow des CHOMPI kostenlos in jede DAW bringt. Es läuft als VST3, AU und AAX, auf Mac mit Apple Silicon oder Intel genauso wie unter Windows, und bringt die originalen Werkssamples der Hardware direkt mit.

NIBBI ist ein siebenstimmiger polyphoner Sampler, der live aufnimmt oder eine Datei per Drag-and-Drop übernimmt, mit regelbarer Wiedergabegeschwindigkeit und Richtung, festen Start- und Endpunkten und einer einfachen AD-Hüllkurve. Ein einziger Regler steuert jeden Bordeffekt: Filter, Lo-Fi, Sättigung, Granular, Delay. Der Tape-Loop-Rekorder erlaubt Sound-on-Sound-Overdubbing, genau der Trick, der den originalen TAPE-Modus so beliebt gemacht hat. Ganz ohne den physischen CHOMPI.

Was bedeutet das für den Rest der Gear-Welt?

Boutique-Hardware stirbt meist leise: Eine Produktseite verschwindet, Firmware-Updates hören auf, und Besitzer wissen irgendwann nicht mehr, ob ihr Gerät im nächsten Jahr noch funktioniert. Chase Bliss ist den umgekehrten Weg gegangen, und zwar bevor sich die Beschwerden stapelten. Die Schaltpläne zu verschenken stellt keine einzige neue Einheit ins Regal, aber es bedeutet, dass der CHOMPI nicht endet, nur weil Chase Bliss ihn nicht mehr verkauft.