MUTEK veranstaltet nie ein gewöhnliches Festival. Für die 27. Ausgabe in Montreal, vom 25. bis 30. August, verteilt die Organisation über 120 Künstlerinnen und Künstler aus 28 Ländern auf fünf Orte im Quartier des Spectacles, von der Open-Air-Bühne Esplanade Tranquille bis zum Konzertsaal der Maison Symphonique, und baut obendrauf noch eine ganze zweite Veranstaltung, das Forum, um zu diskutieren, was all diese Musik eigentlich bedeutet.

Was passiert tatsächlich auf den sechs Bühnen?

Das Line-up reicht von clubtauglichen Namen wie Ben UFO, Matthew Herbert, Voices from the Lake, Barker und Honeydrip bis zum Drone- und zeitgenössischen Kompositionsende mit Kali Malone und Kara-Lis Coverdale, dazu A Guy Called Gerald als Urgestein des britischen Bleep-Techno. Rival Consoles und Evicshen komplettieren die AV-lastige Seite, die MUTEK seit jeher von einem reinen Club-Line-up unterscheidet. Die späten Ergänzungen Debit, Jump Source, Facta und Korea Town Acid haben das Line-up nach der ersten Ankündigung noch erweitert, auf über 120 Namen.

Warum ist Jeff Mills' neues Stück hier so wichtig?

Jeff Mills legt hier kein gewöhnliches DJ-Set auf. Er zeigt die nordamerikanische Premiere von Stargate, ein immersives audiovisuelles Werk aus dem Science-Fiction-Universum, das er seit Jahren über Platten und Live-Shows aufbaut: Sound, Video und Licht so konzipiert, dass sie den Raum in den tiefen Weltraum versetzen statt auf eine Tanzfläche. Es ist die Art Booking, die nur bei einem Festival Sinn ergibt, das auf der Idee aufbaut, Techno sei ebenso visuelle wie musikalische Kunst, und genau das Stück, das MUTEK für die Eröffnung der Woche wählen würde: ein Detroit-Pionier, der die größte Bühne des Festivals nicht für seine Klassiker nutzt, sondern für eine Premiere.

Stargate wird als Erkundung des Unbekannten beschrieben, die das Publikum einlädt, ferne Welten durch Sound, Video und Licht zu erleben, statt ein konventionelles Set zu hören.

Worum geht es beim Forum eigentlich?

Vom 26. bis 28. August, aufgeteilt auf das Studio-Théâtre von Les Grands Ballets und die Agora de la Danse, bringt das erweiterte Forum über 100 Rednerinnen und Redner, Forschende, Technologinnen und Kulturschaffende unter dem Motto 'Symbiotic Frequencies' zusammen, mit Vorträgen, Projektpräsentationen, Performance-Lectures und Workshops zu KI, immersiver Technologie, Ökologie und Design. Das ist der Teil von MUTEK, der nie auf einem Festivalplakat auftaucht, aber vermutlich der Grund, warum das Festival nach 27 Ausgaben noch existiert: Während die meisten elektronischen Festivals nur über die Größe ihres Line-ups konkurrieren, verbringt MUTEK drei volle Tage damit zu fragen, was digitale Werkzeuge mit der Kreativität machen, und übergibt dann die Bühne an Jeff Mills, der mit einem Raumschiff antwortet.