Numerical Audio hat MIDIRack veröffentlicht, ein modulares MIDI-Toolkit für iPadOS, das die Touch-Kontrolloberfläche so behandelt wie ein modularer Synthesizer sein Patchfeld: Man baut sie von Grund auf, verkabelt sie nach Belieben und ändert am nächsten Tag einfach die Meinung. Es ist der Nachfolger der KB-1 Expressive Keyboard Suite desselben Entwicklers, deren sechs Keyboard-Layouts, ein anschlagdynamisches Klavier, diatonische Akkordpads, ein skalengesperrtes Keyboard, ein MPE-Ribbon, ein MPE-Strings-Raster und ein 4x4-Drumpad-Grid, jetzt als Bausteine in einer viel größeren Sammlung stecken.

Was lässt sich auf der Touch-Oberfläche wirklich bauen?

MIDIRack stellt ein einrastendes Raster bereit, auf das man Keyboards, vier Arten von Step-Sequenzern (Drum, Melodie, Akkorde und CC-Spuren, plus ein analog anmutendes Matrix-Grid mit beweglichem Playhead), Regler, Fader und XY-Pads zieht, um jedes Element anschließend so zu verkabeln, dass es MIDI an einen beliebigen Synth, eine App oder externes Equipment schickt. Jeder Step trägt eigene Velocity-, Wahrscheinlichkeits-, Tie-, Trigger- und Mikrotiming-Werte, und die gesamte Oberfläche läuft standalone oder als AUv3-MIDI-Prozessor in Logic Pro, Ableton Live, Bitwig, AUM, GarageBand, Cubasis, Drambo und Loopy Pro, über USB (Apples IDAM) oder Bluetooth, ganz ohne Treiber. Für alle, die schon einmal einen Hardware-Controller gekauft und danach sechs Monate lang gewünscht haben, dass drei seiner Regler etwas anderes täten, liegt genau hier der Punkt: Das Layout ist jetzt das Instrument, kein festes Panel, an das man sein Set anpassen muss.

Warum zählt der Node-Graph-Prozessor für ein Live-Rig?

Die stärkere Idee steckt im optionalen Graph Editor, einem separaten In-App-Kauf, der die MIDI-Verarbeitung in eine visuelle Patch-Oberfläche verwandelt. Man verbindet einen MIDI-Eingang mit einem Ausgang über mehr als 60 Knoten: Arpeggiatoren, Skalen- und Tonart-Quantisierer, Transposition, Akkorde, Echo, Ratchet, Humanize, Swing, euklidische Rhythmen, LFOs, Hüllkurven, Sample & Hold, CC-Werkzeuge und generative Engines wie Turingmaschinen, Markow-Ketten und Conways Spiel des Lebens. Das ist ein ganzes Eurorack-artiges MIDI-Utility-Rack in einer 7,99-Dollar-App, und es bedeutet, dass humanisiertes, generatives, rhythmisch verschobenes MIDI, für das man früher ein Regal voller Hardware-Module (oder einen Laptop voller Max-Patches) brauchte, jetzt zwischen zwei Soundchecks auf einem Tablet entsteht.

Wie passt das in ein bestehendes DJ- oder Live-Setup?

Dafür braucht es kein Rack voller Geräte. Ein iPad per USB an einen Laptop angeschlossen, und MIDIRack wird zur selbst entworfenen Kontrolloberfläche für Ableton, Bitwig oder Logic, nicht zu der, die ein Hersteller allen aufgezwungen hat. Man kann einen euklidischen Knoten mitten im Set per Bluetooth zu einem Hardware-Synth routen, oder ein minimalistisches Layout mit genau den Pads und Reglern bauen, die ein bestimmter Track braucht, und hat damit einen 300 bis 600 Dollar teuren Hardware-Controller (mit festem Layout) gegen ein 15,98-Dollar-Software-Rack getauscht, das sich am Abend vor dem Gig neu entwerfen lässt. Einen CDJ ersetzt das nicht, aber für die wachsende Zahl von DJs und Live-Acts, die hybride Sets vom iPad aus fahren, schließt es eine echte Lücke: maßgeschneiderte MIDI-Hardware, ohne Lötkolben.